Solingen, 07.10.2019 – „Beziehungen sind alles!“ Unter diesem Motto tauschten sich Expertinnen und Experten bei der Demenz-Konferenz Bethanien aus. In dem Solinger Demenz-Zentrum standen Vorträge, Diskussionen und Projektberichte zum neuen Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ auf dem Programm.

Für das Evangelische Altenzentrum Ohligs (EAZ) schilderte Geschäftsführerin und Einrichtungsleiterin Houda Plümer den Zuhörenden mit eindrücklichen Worten ihre persönlichen Erfahrungen mit der Demenz ihres Großvaters sowie des Vaters. Für sie waren die Erlebnisse mit der Pflege des Großvaters zugleich der Anlass einen Pflegeberuf zu erlernen.

„Liebevolle und zugleich fordernde und fördernde Beziehungen zu Menschen mit Demenz sind in der privaten wie professionellen Pflege unheimlich wertvoll. Mit oder ohne Expertenstandard“, sagt Plümer. Besonders anschaulich wurden ihre Schilderungen auf der Demenz-Konferenz durch eine begleitende Vorführung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des EAZ: In einem kleinen Theaterstück spielten sie die Geschichte der Einrichtungsleiterin und ihres Großvaters nach.

Kontroverse Diskussionen der Fachleute

Fachlich wurde der neue Expertenstandard von den gut 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kontrovers diskutiert: Was haben wir verlernt in der Beziehung, dass wir jetzt einen Standard dafür benötigen? Funktioniert Beziehungsgestaltung nur als politische Forderung? Dies waren einige der Leitfragen, mit denen sich Referierende und Zuhörende auseinandersetzten.

Dabei wurde der neue Expertenstandard auf der einen Seite als überflüssig und kompliziert kritisiert. „Lebe Beziehung, das Normalste soll normal bleiben“, forderte beispielsweise der Schweizer Ethiker Michael Schmieder. Der Osnabrücker Pflegewissenschaftler und Publizist Detlef Rüsing bezeichnete den Expertenstandard dagegen als notwendig, die Freiwilligkeit sei gescheitert.